Im ersten Quartal 2017 wurden 307 Millionen Smartphones weltweit produziert – deutlich weniger als Quartal vorher. Da waren es 399,6 Millionen. Doch der Einbruch im ersten Quartal überrascht nicht. Er wiederholt sich Jahr für Jahr. Aber beim genauen Hinschauen zeichnen sich dennoch Trends bei den Top-Playern ab.

Apple hofft auf das iPhone 8

Apple zum Beispiel ist besonders stark von den Produktionsrückgängen im ersten Quartal 2017 betroffen. Die Nummer 1 im Schlussquartal des letzten Jahres ließ im ersten Quartal 2017 rund 36 Prozent weniger iPhones als im Vorquartal bauen. Noch deutlich wird der Produktionsrückgang beim Vergleich mit dem Quartalsergebnis des Vorjahres: Minus 41 Prozent meldet Trendforce in seiner Quartalsanalyse.

Kaum besser sieht die Prognose für das zweite Quartal aus. Trendforce erwartet ein Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Erst im dritten Quartal sehen die Marktforscher ein Wachstum bei der iPhone-Produktion. Gleich drei neue iPhones kommen dann auf den Markt. Neben den Upgrade-Versionen für das iPhone 7 und iPhone 7 Plus präsentiert Apple sein Jubiläumsmodell iPhone 8, das möglichweise iPhone Edition heißt. Gerade bei diesem Modell sind die Erwartungen besonders hoch. Gerüchten zufolge stattet Apple sein neues Topmodell mit besonders attraktiven Features wie etwa dem gebogenen Edge-Display mit OLED-Technik aus. Erwartet werden Verkaufszahlen auf Rekordniveau in den nachfolgenden Monaten.

Samsung: Aufwind durch Galaxy S8 und S8+?

Bei Samsung verlief der Startquartal positiver. Die Koreaner produzierten im ersten Quartal mehr Smartphones als im Weihnachtsquartal. Ein Produktionszuwachs in diese Phase ist unüblich, hat jedoch viel mit dem schwächelnden Weihnachtsgeschäft zu tun. Der Totalausfall des Topmodells Galaxy Note 7 hatte die Produktions- und Verkaufszahlen von Samsung verhagelt. Wachstumstreiber im ersten Quartal 2017 die Einsteiger/Mittelklasse-Modelle der Galaxy J-Serie. Die Highend-Modelle von Samsung verkauften sich hingegen schleppend. Der Grund: Nach dem Ausfall des Pannenmodells Galaxy Note 7 hatte Samsung über Monate nur die älteren Topmodelle der GalaxyS-Serie, das S7 und S7 Edge, im Angebot. Ihr Nachfolger S8 und S8+ kommen erst Ende April in den Handel.

Analysten schätzen die Verkaufschancen der neuen Galaxy-S-Modelle inzwischen als sehr positiv ein, auch wenn bereits erste Kritik an den Modellen aufgekommen ist, die deutlich teurer sind als ihre Vorgänger. Die fehlende Dual-Kamera wird beispielsweise kritisiert. Außerdem verwendet Samsung im S8+ einen baugleichen Akku, der zuvor im Galaxy Note 7 für eine erhebliche Brandgefahr sorgte.

Dennoch wird in den nächsten Monaten eine große Nachfrage nach dem S8/S8+ erwartet, ebenso eine starke Nachfrage nach der Galaxy J-Serie. Eine Steigerung der Produktion im zweite Quartal ist wahrscheinlich, ebenso eine kleine Steigerung (+5 Prozent) der Jahresproduktion gegenüber dem Vorjahr.

LG kaum Verbesserungen gegenüber Vorjahr

Achterbahnfahrt auch bei den LG-Produktionszahlen. Im ersten Quartal 2017 sank die Smartphone-Produktion um 40 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Im zweiten Quartal wird das neue Flaggschiff LG G6 wieder für eine Produktionssteigerung sorgen. Keine unwahrscheinliche Entwicklung, da sich das Vorgängermodell G5 besonders schlecht verkaufte. Nach Einschätzung von Trendforce erreicht LG in diesem Jahr die Produktionszahlen des Vorjahres. Für einen Platz unter den Top-Five-Herstellern reicht das längst nicht mehr.

Kein Super-Wachstum mehr in China

Kritisch sieht Trendforce die Entwicklung bei den Big-Playern aus China. Die schwache Inlandsnachfrage in China führte bei allen Herstellern im ersten Quartal 2017 zu Produktionsrückgängen. Fürs zweite Quartal erwartet Trendforce wieder Steigerungen. Ausgelöst durch den Generationswechsel bei den Smartphones. Die 2017er Modelle kommen in den Handel. Dramatische Zuwächse wie in den vergangenen Jahren wird es künftig kaum mehr geben. Der Smartphone-Markt in China hat längst eine gewisse Sättigung erreicht.

Huawei ist die Nummer 1 in China

Viel verändern wird sich im Ranking der Big-Player aus China in den nächsten Monaten nicht. Huawei ist und bleibt die Nummer eins in China und die Nummer 3 auf dem Weltmarkt. Im ersten Quartal sank die Smartphone-Produktion von Huawei um 22 Prozent gegenüber dem 4. Quartal 2016. Im zweiten Quartal wird sie wachsen, die neuen Flaggschiffmodelle P10 und P10 Plus haben ihren Anteil daran.

Oppo und Vivo sind auch in den nächsten Monaten die Nummer 2 und Nummer 3 in China (weltweit Nummer 4 und 5). Beide Unternehmen verzeichneten im ersten Quartal 2017 einen drastischen Produktionsrückgang (minus 30 Prozent) gegenüber dem Weihnachtsquartal. Im zweiten Quartal 2017 legen sie wieder zu (Produktionsplus von 20 bis 30 Prozent).

Lenovo schwächelt weiter

Auch bei Xiaomi, der Nummer 4 in China, folgt auf den Einbruch im ersten Quartal eine Steigerung der Produktion im zweiten Quartal. Nicht ganz so vielversprechend ist die Entwicklung bei Lenovo. Nach einem schwachen ersten Quartal (Produktion um 20 Prozent niedriger als im Vorjahr) fallen die Produktionszahlen im zweiten Quartal vermutlich nur etwas besser aus.

Angst vor den neuen iPhones

Wie sich der Markt und die Produktionszahlen der chinesischen Hersteller im dritten Quartal 2017  entwickeln bleibt abzuwarten. Eine nicht mehr stark wachsende Inlandsnachfrage und die Konkurrenz durch drei neue iPhone-Modelle werden ihre Spuren hinterlassen. Apple hat große Pläne – allein in diesem Jahr sollen rund 100 Millionen neue iPhones produziert und verkauft werden.

Besonders schwer könnte es für chinesische Hersteller werden, die wie Oppo, Vivo und Xiaomi ihre Smartphones vor allem in China verkaufen. Vielleicht führt dies dazu, dass chinesische Hersteller wie Xioami demnächst auch in Deutschland ihre neusten Topmodelle offiziell anbieten werden.

Quellen