Neben der Vorstellung der neuen Smartphone-Topmodelle Huawei P10 Plus, LG G6 und Sony Xperia ZX Premium gehörte der Auftritt der ehemaligen Handy-Kultmarke Nokia zu den interessantesten Präsentationen auf dem Mobile World Congress 2017 – was den Bereich Smartphones betrifft.

Bereits vor Messebeginn gab es viele Gerüchte zur Produktpalette des ehemaligen Mobiltelefon-Weltmarktführers Nokia, hinter dem heute das finnische Unternehmen HMD Global und der taiwanesische Auftragsfertiger Foxconn stehen. Das vorgestellte Nokia-Programm fiel recht umfangreich aus – auch wenn nicht alle Erwartungen erfüllt wurden. Drei Android-Smartphones der Mittelklasse und ein einfaches Feature-Phone wurden vorgestellt. Ein Oberklassen-Smartphone vom Typ iPhone-Killer (über das auch spekuliert wurde) war nicht dabei.

Messemagnet Nokia 3310

Besonders auffällig waren die präsentierten Nokia-Neuheiten eigentlich nicht, eher Standardware mit Mainstream-Technik und nettem Design. Dennoch entwickelte sich ein Modell zum Messemagnet: das Nokia 3310.

Name und Design erinnern an ein 17 Jahre altes Nokia-Handy. Ein einfaches Mobiltelefon mit kleinem Bildschirm und physischen Tasten, das damals bereits nicht sonderlich viel konnte. Dank seiner Robustheit, Ausdauer und dem günstigen Preis wurde es dennoch zum Bestseller.

Nokia setzt auf Mobiltelefon-Minimalismus

Das neue Modell ist eigentlich nicht viel anders, zumindest was seine karge Ausstattung betrifft. Die Technik wurde aktualisiert. Deshalb ist das neue Nokia 3310 dünner und leichter als das Original. Anstelle eines sehr kleinen Schwarzweiß-Displays besitzt es ein kleines Farbdisplay, das nach heutigen Maßstäben winzig ist. Ein Fach für eine Speicherkarte gibt es, ebenso eine 2-Megapixel-Kamera. Sie ist auf der Rückseite eingebaut und knipst im Vergleich zu anderen Smartphone-Kameras nicht gerade berauschende Bilder. Das neue 3310 hat einen Opera-Mini-Browser für den Internet-Zugang und ein vorinstalliertes Spiel. Der alte Nokia Spiele-Klassiker Snake ist auch beim neuen 3310 zu finden – jedoch in einer neuen Version.

Nokia 3310 – ein Marketing-Gag?

Bei einer nüchternen Nachmesse-Betrachtung fallen jedoch  die vielen Lücken beim Nokia 3310 auf. Es ist beispielsweise nur in den alten GSM-Netzen einsetzbar. Eine einigermaßen schnelle Datenübertragung ist in diesen Netzen nicht möglich ist. 3G- und 4G-Netze sind ihm strikt verwehrt, ebenso heimische und öffentliche WLAN-Netze. Eine App für WhatsApp, Facebook oder Instagram gibt es nicht. Wer ein Nokia 3310 nutzt, muss also auf seine sozialen Netzwerke verzichten.

Da stellt sich schnell die Frage, wer braucht heute ein 49-Euro-Handy für das Selfies und Social-Media Fremdworte sind und mit dem man eigentlich nur telefonieren und SMS verschicken kann?  Natürlich gibt es diese Zielgruppe auch heute noch, doch sie ist kleiner als vor 17 Jahren als das alte Nokia 3110 seinen Siegeszug antrat.

Ein guter Marketing-Gag ist das Nokia 3310 aber auf jeden Fall.