Das Chaos rund um das Galaxy Note 7 fand in dieser Woche sein abruptes Ende. Acht Wochen nach dem Verkaufsstart des Note 7 nahm Samsung sein Topmodell für 2016 vom Markt. Aus einem als iPhone-7-Plus-Alternative gestarteten Edel-Smartphone ist das größte Desaster in der Geschichte der Mobiltelefone geworden. Inzwischen sammelt Samsung weltweit rund 2,5 Millionen Note 7 ein, um sie endgültig zu verschrotten.

Zuvor hatte das als eines der besten Smartphones der Welt geltende Galaxy Note 7 wochenlang Konsumenten und die Smartphone-Branche in Atem gehalten. Auf brennende Note7-Mobiltelefone folgten Nutzungsverbote in Flugzeugen durch Airlines, Transportverbote durch Logistikunternehmen und der weltweite Rückruf des Herstellers für die ausgelieferten Modelle. Das alles sorgte für viel Aufregen.

Doch Phase 2 toppte alles: Austauschgeräte mit angeblich „sicheren“ Akkus aus chinesischer Produktion wurden bereitgestellt. Kurz darauf folgten weitere Brandfälle und erneuerte Nutzungs- und Transportverbote. Samsung stoppte die Auslieferung und verkündete ein Tag später das endgültige Aus für sein Flaggschiffmodell Galaxy Note 7.

17 Milliarden weniger Umsatz

Der Schaden ist riesig und wird zurzeit auf 5 Milliarden Euro geschätzt. Noch dramatischer sind die sich abzeichnenden Umsatzverluste in den nächsten Monaten. Analysten schätzen sie auf 17 Milliarden US-Dollar. Und das in einem Markt, der sehr hart umkämpft ist und inzwischen kaum noch Wachstumspotential bietet.

Aber nicht nur bei den Smartphones, sondern auch beim Zubehör wird der Umsatz einbrechen – etwa bei der Virtual Reality Brille VR Gear, die zusammen mit dem Galaxy Note 7 genutzt werden kann.

Dramatischer Imageschaden

Der unmittelbare Umsatz- und Gewinnrückgang ist nur eine Seite. Hinzu kommt ein massiver Imageschaden, den das Pannen-Phone auslöste. Die Folgen auf andere Produkte des Unternehmens sind schwer einzuschätzen. Natürlich spielt das aktuelle Krisenmanagement von Samsung eine ganz entscheidende Rolle.

Wichtig ist, dass Samsung sämtliche Fakten rund um das brandgefährliche Note 7 schnell und rückhaltlos aufklärt und alle Kunden umfassend informiert.

Samsung kennt nicht die Brandursachen

Fatal ist, dass Samsung bis heute nicht die genauen Brandursachen kennt. Das gilt sowohl für die erste Charge des Note 7 als auch für die als sicher eingestufte zweite Charge. Unwissende Ingenieure die Akkus aus der Samsung-Produktion voreilig als alleinige Fehlerquelle definierten und durch brennende Fakten widerlegt werden, sind jedoch nicht gerade ein Aushängeschild für die Kompetenz eines Technologiekonzerns.

Samsungs Chef der Mobilsparte Koh Dong-Jin kündigte inzwischen eine lückenlose Aufklärung der Öffentlichkeit an. Doch bis es so weit ist, werden vermutlich noch einige Wochen vergehen. So lange dominieren Gerüchte und die Verunsicherung bleibt.

Zu enge Zeitvorgaben bei der Entwicklung?

Nicht gerade positiv für das Image von Samsung sind in diesem Zusammenhang Meldungen, dass Samsung seine Zulieferer und seine eigenen Abteilungen mit zu knappen Zeitvorgaben bei der Entwicklung des Galaxy Note 7 unter Druck gesetzt hat. Dass darunter auch die Qualitätskontrollen leiden, erscheint plausibel. Doch das wirft kein gutes Licht auf Samsung und sein Interesse an der Sicherheit seiner Produkte und seiner Kunden.

Kunden verlieren Vertrauen in Samsung

Eine jetzt bekannt gewordene Umfrage von Ecommerce solutions machte den aktuellen Vertrauensverlust in den USA deutlich. Rund 40 Prozent der Besitzer von Samsung-Smartphones wollen in Zukunft keine Phones mehr von Samsung kaufen – sondern auf Modelle anderer Hersteller ausweichen. Profitieren würden etwa Apple und Google.

Entschädigungsbonus: 100 Dollar in den USA

Ob Samsung großzügiges Austauschprogramm mit Entschädigungsboni viel daran ändert, ist nicht zu erwarten. In den USA bietet Samsung den Note7-Käufern, die ihr Pannen-Phone zurückgeben und stattdessen ein anderes Samsung-Gerät kaufen zusätzlich zur Erstattung der Preisdifferenz eine Gutschrift von 100 Dollar. Wer kein Samsung-Gerät will, bekommt den Kaufpreis erstattet plus eine Gutschrift von 25 US-Dollar.

Doch das gilt nur für die USA. In Korea ist Samsung nicht ganz so spendabel und für deutsche Besitzer eines Note 7 gibt es gar keine Gutschrift, wie Samsung heute per Pressemitteilung bestätigte.

Kann das Galaxy S8 die Lücken schließen?

Wie groß der Schaden für Samsung durch die brennenden Note7 ist, wird sich in den nächsten Monaten herausstellen. Eine besondere Rolle werden die beiden anderen Top-Smartphones von Samsung bzw. deren Nachfolger übernehmen. Das Galaxy S8 soll in zwei Versionen im Frühjahr 2017 vorgestellt werden.

Das Note8  kommt vermutlich nie

Der Markennamen Galaxy Note ist vermutlich gleichzeitig mit den brennenden Note7-Modellen abgefackelt. Die erfolgreiche Smartphone-Kategorie mit dem Großdisplay, dem S-Pen-Stift und den Business-Features für die das Galaxy Note bislang Namensgeber war, wird höchst wahrscheinlich bei Samsung aber weiterleben – unter einem neuen Namen.

Nachtrag – Die Fakten zum Note7-Desaster

Hier sind einige harte Fakten zum Note7-Desastu. Sie kommen von der US-Verbraucherbehörde Consumer Product Safety Commission (CPSC) und beziehen sich nur auf die USA.

In den USA wurden 96 Fälle bekannt, bei denen es zu einer Überhitzung des Akkus im Samsung Galaxy Note 7 kam. Von den 96 Fällen fanden 73 vor dem ersten Rückruf und 23 Vorfälle nach dem Samsung-Rückruf am 15. September statt. Bei den insgesamt 96 Note-Vorfällen gab es 13 Fälle mit Brandverletzungen und 47 Vorfälle mit Schachbeschädigungen. Diesen 96 Schadensfällen stehen in den USA rund 1,9 Millionen ausgelieferte Galaxy Note 7 gegenüber.

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