Wer einen Brief … an einen Anwalt, eine Bank oder eine Behörde schickt, braucht dafür im nächsten Jahr nicht unbedingt mehr Briefpapier und Briefmarke. Text und Anlagen lassen sich dann bequem und formal korrekt am Computer per Mail versenden. Die neue, rechtssichere E-Mail macht es möglich. Anfang 2011 soll sie eingeführt werden. Vorher muss der Bundestag das Bürgerportal-Gesetz verabschieden, und viele kleine wichtige Details klären. Außerdem müssen sich alle registrieren lassen, die diesen neuen E-Mail-Service nutzen wollen.

Obwohl die konkreten Details und Prozesse noch nicht endgültig fixiert sind, rühren seit einigen Tagen die Deutsche Post, Deutsche Telekom und United Internet (Internetanbieter der Marken: gmx.de und web.de) kräftig die Werbetrommel. Während die Deutsche Telekom und United Internet ihren Privatkunden die Möglichkeit bieten, sich kostenlos für ihren E-Mail-Dienst zu registrieren  – legt die Deutsche Post gleich richtig los. Am 14. Juli 2010 startet die Post ihren E-Maildienst unter der Bezeichnung E-Postbrief. Der ist zwar noch nicht wirklich rechtssicher (das grundlegende Gesetz ist ja weder beraten noch verabschiedet) und damit für den eigentlichen Zweck noch nicht einsetzbar,aber  er verschafft dem Unternehmen einen Startvorsprung gegenüber den Konkurrenten. Die starten ihre  Angebote erst im nächsten Jahr  unter dem Namen De-Mail.

Hintergrund für diese Aktivitäten sind handfeste wirtschaftliche Interessen und zukünftige Millionengewinne. Der neue E-Mail-Dienst wird zwar bequem und rechtsverbindlich sein, aber für seine Nutzer nicht kostenlos. Wie viel der Versand kosten wird, steht noch nicht fest. Wahrscheinlich wird er günstiger sein als die klassische Briefzustellung, aber um wie viel ist unklar. Ebenso unklar sind die Kosten für die einmalige Registrierung der Beteiligten – auch dafür sollen die Teilnehmer zur Kasse gebeten werden.  Zwar rechnen Experten in der Startphase mit einer kostenlosen Nutzung dieser Dienste, doch irgendwann wird das Bezahlen beginnen. Das gilt natürlich auch für Behörden, die mit den Online-Briefen erstmals ihre Behördenpost rechtsverbindlich per E-Mail erledigen können.

Welches Potential in Online-Briefen steckt, zeigt eine andere Anwendung. Lottospielen soll demnächst auch über diesen E-Maildienst möglich sein, wie die Frankfurter Rundschau am 13. Juli berichtete.

Quellen: Deutsche Telekom, Deutsche Post, Frankfurter Rundschau.

+++ Nachtrag+++ Zum Marktstart ihres E-Postbriefs hat die Deutsche Post endlich auch etwas über die Kosten gesagt: Ein E-Postbrief kostet genauso viel wie ein herkömmlicher Brief: 55 Cent. Die Post bietet allen Nutzern des E-Postbriefs an, diesen Brief entweder elektronisch an ein anderes E-Postbrief-Konto zu schicken oder es auszudrucken und per Briefträger zuzustellen. Beide Varianten kosten 55 Cent. Zusatzleistungen wie Einschreiben oder Farbausdrucke will die Post zusätzlich berechnen.

Der überraschend hohe Preis ist nicht unbedingt ein überzeugendes Argument für Unternehmen und Privatpersonen, sich jetzt für diesen Dienst zu entscheiden. Wahrscheinlich ändert sich daran erst Anfang nächsten Jahres etwas. Dann starten die Post-Konkurrenten ihre Online-Brief-Angebote.