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Navisysteme

Navigation für lau … Google lässt die Navibranche zittern – zumindest deren Aktienkurse – und die Handybesitzer aufhorchen. Der Onlinedienste-Universalist erweitert Google Maps und Street View um die Navigationsfunktion. Heraus kommt Google Maps Navigation. Sie lotst Handybesitzer – zunächst nur die in den USA, demnächst gewiss auch in Deutschland – mit gesprochenen Streckenanweisungen kostenlos durch die Straßen.

Dass Handys navigieren – ist nichts Neues. Neu ist, dass ein vollwertiger Navigationsdienst im Handy kostenlos und werbefrei nutzbar ist. Nokia verkauft seine sprachgestützte Navierweiterung zum jährlichen Abopreis von 60 bis 90 Euro. Navigon und TomTom verlangen für Navi-Erweiterungspakete für Handys – inklusive Digitalkarten – einmalig 70 bis 100 Euro.

Bei Google Maps Navigation gibt es das (fast) für lau. Ganz umsonst ist der werbefreie Dienst nämlich nicht. Der Google-Navigator errechnet nicht – wie bei Navihandys üblich-  die Route direkt im Mobiltelefon, sondern überträgt diese Aufgabe einem zentralen Google-Server. Für den Datentransfer zwischen Handy und diesem Server (also der Transfer der Start- und Zieldaten vom Handy an den Server plus Transfer der Streckendaten vom Server zum Handy) muss der Mobiltelefonierer zahlen. Wie viel das im Einzelfall ist, hängt von der Datenmenge für die Streckeninfos und vom verwendeten Datentarif ab.

Ohne Aufpreis kommen nur die Abonnenten von Datenflatrates an die Google-Informationen. Entsprechende Inklusiv-Pakete haben vor allem Personen, die ihr Handy geschäftlich nutzen. Alle anderen müssen genau hinschauen, welche Datenmengen beim Navigieren mit dem Google-Dienst anfallen. Bislang galt die Faustregel für Online-Navigation: Nur wer seinen Navihelfer selten benötigt und einen günstigen Datentarif hat, fährt mit diesen Diensten günstiger als mit einem Onboard-Navigationssystem.

Das klappt aber nicht mit jedem Handy: Im Moment funktioniert der neue Dienst nur auf Smartphones mit der allerneusten Variante des Google Betriebssystem Android (Version 2.0). Ob ältere Android-Modelle, die mit dem neuen Betriebssystem nachgerüstet werden, fit dafür sind, ist im Moment ebenso ungeklärt, wie die Frage, ob in Zukunft auch andere Handymodelle mit Hilfe des neuen Google-Dienstes navigieren können.

Mit Moment funktioniert es nur mit einem Smartphone-Modell, dem Verizon Droid (von Motorola). Falls das Branchengeflüster stimmt, steht aber eine Vielzahl neuer Android-Modelle vor dem Marktstart.

Spannend bleibt die Frage: Wie stehen die Zukunftschancen für den Google Navidienst in Deutschland?  Bislang akzeptierten deutsche Nutzer keine Online-Navilösungen. Selbst Kostenlos-Varianten wie Ö-Navi haben bei uns nur bescheidenen Erfolg. Seit vielen Jahren navigieren die Deutschen am liebsten mit Onboard-Systemen, bei denen unterwegs keine Zusatzkosten entstehen.

Vielleicht ändert sich das mit der Einführung von Google Maps Navigation. Vielleicht aber auch nicht. Drei Faktoren spielen eine wichtige Rolle. 1. Die Kosten für den Datentransfer (anders ausgedrückt: nur wenig Daten sollen beim Transfer anfallen). 2. Der Bedienkomfort muss stimmen (etwa wenn Autofahrer von der vorgegeben Strecke abweichen). 3. Die Streckenvorschläge müssen die aktuelle Verkehrssituation berücksichtigen – da keiner gerne in einen Stau hinein geführt werden will.

Je besser Google das bei seinem Navidienst hinbekommt, umso besser stehen dessen Chancen. Ob Datenschützer sich über einen Siegeszug von Google freuen werden – ist eher unwahrscheinlich. Die Datenmenge, die Google über seine Nutzer erhält wird mit diesem Dienst noch größer. Mit Maps Navigation weiß Google zukünftig auch, wer wann wohin fährt. Na dann … gute Reise.